meine pflege

vorweg möchte ich darauf hinweisen, daß alles, was folgt, meine erfahrungen sind. weder zitiere ich aus einem buch noch gebe ich erfahrungen anderer, sofern sie sich nicht bei mir bewährt haben, wieder.
es ist auch nicht als pflegeanweisung - wie: man nehme oder erstens, zweitens, drittens - zu verstehen und garantiert dadurch erfolg. nur wer sich wirklich mit seinen pflanzen beschäftigt, wird regelmässig blüten erzielen und seine lieblinge nicht nur am leben erhalten, sondern auch eine gewisse grössenzunahme feststellen.

1. aufstellung
die meisten meiner pflanzen stehen, je nach jahreszeit- im gewächshaus oder im folietunnel. nur ein paar nicht totzukriegende Opuntien befinden sich in der vegetationsperiode im freien. warum? dadurch fällt regen, wenn ich das möchte und das aussehen, selbst der sogenannten "winterharten" gibt mir recht. im winter steht bei mir alles im gewächshaus bzw. zumindest unter folie. vor jahren standen sie alle ungeschützt im freien und sahen dementsprechend aus. jeder pilz konnte ungehemmt seine meist schwarzen "hinterlassenschaften" in die epidermis brennen worunter mein empfinden litt. ja, ich gebe zu, daß in der natur auch keine folie schützt, aber am originalstandort ist auch klimatisch nicht das Vogtland.
alle meine pflanzen sind in pflanztöpfen untergebracht, die episode "freilandkakteenbeet" habe ich schon vor 20 jahren abgeschlossen. irgendwann ist die ganze sache nicht mehr zu pflegen und pfahlwurzelnde unkräuter und springklee bestimmen die szene. dann macht es keinen spaß, zwischen halbquadratmetergroßen herrlich stechenden und mit massenhaft Glochiden versehenen Opuntien ordnung zu schaffen.

2. gießen
gegossen wird regelmässig und ausschliesslich mit regenwasser, sofern das wetter es zulässt. dabei wird das wasser keinesfalls mit der pipette zugeführt. das kann im sommer schon zwei mal die woche sein, zumindest bei den kleineren töpfen. je nach gattung beginnt die gießerei schon im februar und endet für fast alle, wenn die ersten frosttoleranten Echinocereen den beginnenden herbst durch schrumpfung anzeigen, was gelegentlich schon ende august sein kann.
es gibt aber auch , speziell in der opuntiensippe einige, die sich im winter über wasser sehr freuen.

3. düngen
ist meiner ansicht nach viel wichtiger, als gemeinhin angenommen wird. ich kenne viele sammlungen, wo sich die pflanzen über ein bischen mineralhaltiges wasser ( welches natürlich - sind ja wüstenpflanzen- auch sehr sparsam, so allerhöchstens vier mal im jahr mittels pipette und messbecher verabreicht wird ) freuen, weil sie sonst verhungern würden. ich beginne im der wuchsperiode mit stickstoffbetontem dünger so alle 14 tagen. im laufe des jahres wird stickstoff immer mehr vermindert. pflanzen, die nicht so recht wachsen wollen, bekommen reines wasser. meine regel lautet: je mehr zuwachs eine pflanze im jahr komplett ausbilden muss (komplett neues "ohr" oder trieb) desto mehr stickstoff wird als "futter " gereicht. diese regel ist nicht immer richtig, genügt aber den meisten ansprüchen. bei der düngerdosierung verwende ich mindestens ein viertel bis maximal die hälfte der angegebenen empfehlung (ich verwende keinen kakteendünger aus dem baumarkt !). obwohl nicht direkt zur düngung gehörend, möchte ich einen kleinen kniff nicht verheimlichen: Baldrianblütenextrakt! laut anweisung angewendet konnte ich eine deutlichere blühwilligkeitszunahme feststellen.

4. schädlinge
wer sich öfters mit seinen pflanzen beschäftigt, wird einen krankheitsfall, sei es durch pilze oder milben oder ein anderes beißendes oder saugendes getier, schnell erkennen. für jemanden, der nur ein paar wenige pflanzen sein eigen nennt, sind biologisch wirkende präparate oder die ganz einfache mechanische beseitigung der sichtbaren schädlinge ohne weiteres zu schaffen, aber bei pilzen oder sehr vielen pflanzen kommt man um einen gewissen "giftschrank" nicht herum. welche präparate man verwendet, muss man im einzelnen prüfen; nicht jedes mittel ist immer für den kleigartengebrauch zugelassen.

5. pflege
wenn die pflanzen vermindertes wachstum zeigen, obwohl man eigentlich ordentlich dünger zugeführt hat, ist mal wieder eine umtopfaktion fällig. der großteil meiner pflanzen, ob frosttolerant oder nicht, wird im dezember/ januar je nach wetter umgetopft. da hier die pflanzen in der ruhephase sind, führen wurzelverletzungen selten zu fäulnis. das einzige problem ist speziell bei den Echinocereen die sehr starke schrumpfung. hier kann man sich mit der topfgrösse leicht mal vertuen und wird , nachdem sich der körper im frühjahr wieder aufgepumpt hat, merken, daß eine nummer grösser besser gewesen wäre.
nachdem sich meine pflanzenanzahl ständig vergrössert, habe ich meine vielen substratmischungen mit bis zu zwanzig zutaten drastisch reduziert und verwende nun eine grundmischung und ällerhöchstens 4 zutaten: sand, so eine art löslehm, bims und torf, die im mischungsverhältnis 1:1:1:1 zusammengemengt werden. meistens benutze ich aber nur drei: - sand, torf (blumenerde) und bims - oder - lös, sand und bims - jeweils 1:1:1. manche arten bekommen ein bischen mehr torf, andere ein bischen mehr sand, wobei meine mischungen mehr nach optik denn nach genauen abwägen gemischt werden.

nachsatz
vorangehend wird von winterhart, frosthart und frosttolerant geschrieben. mir persönlich gefällt letzter begriff am besten, weil er aussagt, das die pflanze gegenüber frost nicht so die probleme hat. winterhart meint, daß besagte pflanze ohne wetterschutz in den garten eingepflanzt, überleben sollte. das machen aber, ausser ein paar unkaputtbare Opuntien die wenigsten pflanzen. manche halten ein paar jahre durch um sich dann ohne einen erkennbaren grund in eine schleimige braun-grün-schwarze masse zu verwandeln. mit frosthart ist eine überwinterung im ungeheiztem gewächshaus gemeint.